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Brigitte-Sauzay-Programm: Schüleraustausch mit Moulins

In der Mitte Frankreich, genauer gesagt der Auvergne befindet sich unsere Partnerstadt Moulins. Sie ist eine der größten Städte in der Umgebung und neben dem Partnerschaftsverein Bad Vilbel-Moulins verbinden uns seit einiger Zeit, die am Georg-Büchner-Gymnasium von engagierten Lehrern organisierten Austausche mit ihr.

Im Frühjahr dieses Jahres ging es dann das erste Mal, mit einem ganzen Bus voller Schülern, in Richtung Süd-Westen. Wir haben viel unternommen und auch ein bisschen in das französische Schulsystem hinein geschnuppert, nach 2 Wochen war der ganze Spaß dann aber leider auch schon wieder vorbei. Schon damals spielte ich mit dem Gedanken, einen längeren Austausch zu machen, die endgültige Entscheidung fiel aber erst nach dem Gegenbesuch der Franzosen.

Wieso einen Austausch machen? Ich habe mich dafür entschieden, weil ich finde, dass dies die beste Möglichkeit ist, die Sprache auf der einen Seite, aber auch die Menschen im Land auf der anderen Seite kennenzulernen. Das ich nicht bei Franzosen, sondern gebürtigen Niederländern, wohnte, hat sich dabei nicht als Nachteil, sondern eher als Vorteil herausgestellt. Sie wohnen lange genug in Frankreich um die Leute und ihre Eigenheiten zu kennen, hinterfragen dabei aber trotzdem noch die teilweise merkwürdigen Eigenheiten.

Als Gastgeber habe ich eigentlich nur guten Erfahrungen gemacht. Ich fand es auch gut, dass mein Austauschpartner am Ende des Schuljahres nach Deutschland kam, sodass ich mehr Zeit für ihn hatte und er und die anderen Franzosen auch an unserer Berlinfahrt teilnehmen konnten.

Eine Woche nach den Sommerferien ging es dann in die 2. Runde. Vom Frankfurter Hauptbahnhof über Paris, diesmal nur noch zu Fünft, dafür mit umso mehr Gepäck, wobei ich wieder einmal merkte, dass sich die französische Metro nicht mit großen Koffern versteht. In Moulins angekommen, wurden wir von unseren Gastfamilien empfangen und mit dem Auto nach Hause gefahren. Das Autofahren ist nämlich eine der Hauptbeschäftigungen meiner Gastfamilie. Sie wohnen auf dem Land ca. 30 Kilometer von Moulins entfernt. Aufgrund dieser großen Entfernungen gehen viele Schüler dort aufs Internat.

Nach einer Woche Schonzeit fing die Schule dann auch in Frankreich wieder an. Alleine am ersten Tag bekamen wir insgesamt 20 Seiten Formulare, die es zu unterschreiben lassen galt. Der wohl gewöhnungsbedürftigste Unterschied war, dass ein normaler Schultag auch schon mal von 8 bis 18 Uhr dauern kann.

Das Schulsystem in Frankreich unterscheidet sich wesentlich vom Schulsystem in Deutschland. In Frankreich hat man die Wahl zwischen 3 Zweigen L (littéraire), ES (économique et sociale) und S (scientifique):

  • S: Mathematik, Physik-Chemie, SVT (Sciences de la vie et de la terre) à Biologie
  • ES: Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaft
  • L: Literatur (in der Terminale), Naturwissenschaft

Mein Austauschpartner war in der 1L2, ich in der 1S2. Ich hatte bewusst Scientifique gewählt, da ich auch in Deutschland für die 11. Klasse eine Orientierung in Richtung Mathe/Physik gewählt hatte. Zusätzlich hatte ich noch folgende Fächer (teilweise als Optionen):

  • Allemand EURO: Histoire-Géo auf Deutsch
  • Englisch
  • Französisch
  • Histoire-Géo
  • Mathematik
  • Spanisch
  • Sport
  • TPE (Travaux personnels encadrés): Gruppenarbeit zu einem wählbaren Thema

Dies sollte sich für mich als praktisch erweisen, da ich den in Frankreich gelernten Schulstoff (zum Beispiel in Mathe) als ich zurück kam, sofort für den Unterricht in Deutschland einsetzen konnte.

Am Anfang war es für mich nicht leicht, dem Unterricht zu folgen und gleichzeitig die diktierten Texte aufzuschreiben, dies hat sich meiner Ansicht nach merklich verbessert, da ich diese Probleme am Ende nicht mehr hatte. Ich wurde von der Französischen Schule sehr gut betreut und konnte mich bei Fragen immer an das Vie scolaire wenden. Ich habe versucht, alle Arbeiten möglichst gut mitzuschreiben. Auch wenn dies nicht immer einfach war, da ich alleine lernen musste, denke ich, dass es keine schlechte Erfahrung war.

In Allemand EURO hatte ich die Möglichkeit, Beiträge über Deutschland einzubringen und die deutsche Politik zu erklären. Jedoch wurde mir auch bewusst, dass die anderen Deutschen und ich, im Vergleich zu den Franzosen, relativ wenig über den 1. Weltkrieg wussten.

Ich denke, dass die Schüler im französischen Schulsystem strukturierter als deutsche Schüler lernen. Sie bekommen die meisten Sachen von ihrem Lehrer ins Heft diktiert. Dies hat den Vorteil, dass sie alle den gleichen Wissensstand haben, allerdings meiner Ansicht nach den großen Nachteil, dass ihnen nur sehr wenige Freiheiten bleiben. In Deutschland werden oft Referate gehalten oder Gruppenarbeiten durchgeführt, um ein Thema gemeinsam (ohne den Lehrer) zu erarbeiten und anschließend zu präsentieren. In Frankreich bestimmt der Lehrer maßgeblich den Unterricht, wohingegen in Deutschland die Schüler durch mündliche Beteilung, die in Frankreich überhaupt keine Bedeutung hat, eine bessere Möglichkeit haben, sich selbst einzubringen.

Letztendlich denke ich, dass es Gewöhnungssache ist, mit welchem System man besser klarkommt. Da ich den mündlichen Anteil am Unterricht jedoch relativ wichtig finde und auch gerne Referate halte, bevorzuge ich das deutsche Schulsystem.

Es gab nach meiner Rückkehr im Unterricht nicht viele Gelegenheiten über meinen Auslandsaufenthalt zu berichten, da ich direkt nach den Herbstferien, in denen ich in Frankreich noch auf die Schule gegangen war, zurückkam. Ich denke aber auch nicht, dass dies unbedingt nötig gewesen wäre, da ich den Austausch primär für mich und nicht für die Schule gemacht habe.

Ich denke, dass mich der Aufenthalt in Frankreich nicht nur in der Französischen Sprache weitergebracht hat, sondern mir ganz nebenbei auch noch ein paar neue gute Freunde, allen voran meinen Austauschpartner, beschert hat. Alle meine Erwartungen an den Austausch sind erfüllt bzw. noch übertroffen worden und ich habe schon geplant, die letzte Woche der Weihnachtsferien in Hessen, in Frankreich zu verbringen, um meinen Austauschpartner, aber auch meine Austauschklasse (1S2) wiederzusehen.

Diesen Erfahrungsbericht habe ich im Rahmen des Brigitte-Sauzay-Programms verfasst, dass es Schülern der 8. bis 11. Klasse, die seit mindestens zwei Jahren Französisch lernen, ermöglicht, einen individuellen Schüleraustausch mit einer französischen Schule zu machen.

In enger Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Französischem Jugendwerk (DFJW) fördert das Programm seit 1989 den mittelfristigen individuellen Schüleraustausch zwischen Deutschland und Frankreich mit einem pauschalen Fahrtkostenzuschuss.

Weitere Informationen zum Programm gibt es auf der Webseite des DFJW.

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